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Meditieren im Zen-Garten

Jul-1-2009 By admin

Japanische Gärten üben mit ihrer friedlichen Atmosphäre, ihrer Harmonie und der auf kleinster Fläche erreichten Komplexität einen außerordentlichen Reiz auf den Betrachter aus. Die scheinbare Natürlichkeit und die wohlproportionierte Struktur sind das Maß der Vollkommenheit. Sie machen diese Grünanlagen zu Orten voller geheimnisvoller Ruhe und Schönheit mit großer symbolischer Kraft.

Oft werden bewusst holperige, unebene Wege angelegt, um den Besucher zum aufmerksamen Betrachten anzuregen. Gerade Wege dagegen sollen den Blick in eine bestimmte Richtung lenken. Der Mensch versteht sich als ein integrierter Bestandteil seiner Umgebung und demonstriert nicht durch Formalität und Sichtachsen seine Macht über die Natur.

Lange Zeit wurde die japanische Gartenkultur durch chinesische Einflüsse geprägt. Erst im 13. Jahrhundert entstand durch den einflussreichen japanischen Zen-Meister und Gartengestalter Muso Soseki der typische Stil, der durch Asymmetrie und Kleinteiligkeit beeindruckte statt durch weitläufige Landschaftskonzepte und Abstraktion. Einige klassische Elemente finden sich jedoch in fast jedem japanischen Garten – etwa der Teich, in dem sich Mondlicht und Seele spiegeln, Bäume, Blumen, Moos – alles dient als Symbol und ist Schlüssel zu einer anderen, metaphysischen Dimension. Traditionell sind in Japan drei Gartenstile von Bedeutung: Karesansui, Tsukiyama, und Chaniwa.

Karesansui („Berg ohne Wasser“) ist der typische Zen-Garten, der zur Meditation anregt. Die trockenen Landschaftsgärten sind selten größer als ein Tennisplatz, aber stets von äußerst geradliniger Architektur. Steinformationen bilden Felsinseln; Moos, das die Feuchtigkeit am Boden hält, steht für das Alter, das in Japan große Wertschätzung erfährt und Sand- und Kiesanhäufungen stellen das Wasser dar – rückwärtsgehende Mönche ziehen regelmäßig mit hölzernen Harken Furchen in den Kies und täuschen somit Wellenbewegungen vor. Zu sehen ist das im berühmten Steingarten des „Ryoan-Ji“ zu Deutsch „Tempel des zur Ruhe gekommenen Drachens“ im Nordwesten Kyotos. Er besteht aus fein gerechtem Kies mit 15 scheinbar zufällig platzierten Steinen in fünf bemoosten Gruppen - aus keinem Blickwinkel sind alle 15 Steine sichtbar.

Ein weiteres Beispiel ist der wunderschöne Moosgarten des „Saiho-Ji“ bei Kyoto, der von Muso Soseki im Jahr 1339 entworfen wurde. Hierbei handelt es sich um ein seltenes Prachtstück altjapanischer Gartenkunst, das als Vorbild für viele weitere Gärten Japans diente. Besonders in den regenreichen Monaten Mai und Juni, wenn die wassergetränkten Moose in sattem Grün leuchten, ist der Besuch ein Genuss. Der Moosgarten darf nur zur Meditation nach einer schriftlichen Anmeldung betreten werden.

Gärten im Tsukiyama-Stil bilden die Landschaft im Miniatur-Format ab. Kleinere Hügel und Berge werden durch Steine dargestellt, und ein Wasserteich – oft in Form einer Schildkröte oder eines Kranichs - symbolisiert das Meer und steht für langes Leben. Ästhetisch schöne Bäume dienen als Blickfang. Als einer der modernsten Gärten im Tsukiyama-Stil gilt der Garten des Tofuku-ji-Tempel in Kyoto, den der avantgardistische Gartenarchitekt Mirei Shigemori im Jahr 1939 umgestaltete. Er erneuerte die Jahrhunderte alte Gartenkultur seiner Heimat, und in seiner 36-jährigen Schaffensperiode gelang ihm mit all seinen 230 Gärten eine gestalterische Revolution. Für den 1490 gegründeten Tofuku-ji nutzte er auf Wunsch der Mönche alte Gehwegplatten und Kantsteine, die sich seit Jahrhunderten an der Tempelmauer stapelten. Er legte diese Platten zu einem schachbrettartigen Muster zusammen, bepflanzte die Zwischenräume mit Moos und schuf somit einen der aufsehenerregendsten Gärten des Landes.

Shigemori machte auch nicht vor den klassischen Teegärten halt, wo er schon mal roséfarbenen Betonboden einsetzte. Dies sorgte für eine Sensation, denn Teegärten „müssen“ immer einen erdigen Boden haben. Zur traditionellen Ausstattung im Chaniwa-Stil gehören Steinlaternen, ein steinernes Wasserbecken, wo sich die Gäste Hände und Mund reinigen, ein Bambuswasserrohr und ein Trittsteinpfad, der die erste Stufe zur Selbsterkenntnis symbolisiert, d.h. das Abstreifen des Alltags. Der Gang durch den speziell angelegten Teehausgarten gilt als geistige Vorbereitung zur Tee-Zeremonie.

Gartenreisen nach Japan werden zum Beispiel von Baur Gartenreisen angeboten. Weitere Informationen unter www.baur-gartenreisen.de.

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Um den Titel der ältesten bewohnten Stadt der Welt streitet sich Sana‘a zwar mit Jericho. Unbestritten aber ist die Altstadt von Sana‘a die schönere von beiden: 14.000 zum Teil reich verzierte Hochhäuser, 50 Moscheen, enge, verwinkelte Gassen voller Leben und ein Marktviertel, in dem das Handwerk noch blüht. Eine Stadt zwischen Tradition und Moderne: In der UNESCO-geschützten Altstadt orientalisches Märchen, in den Außenbezirken der explosionsartig gewachsenen Zwei-Millionen-Metropole ein Kind des 21. Jahrhunderts. Gelegen auf 2.200 Metern Höhe inmitten des jemenitischen Hochlands ist die Stadt heute mehr denn je politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum des Landes.

Jemen Gewue in

Impression aus dem Suq - ein Gewüzstand. Foto: yementourism

Noahs Sohn Sem soll Sana’a gegründet haben und ihr erster Baumeister gewesen sein. Der abessinische Statthalter Abraha errichte hier eine riesige Kathedrale. Und der Prophet Muhammad selbst, heißt es, ordnete einst den Bau der Großen Moschee an. Heute ist sie die größte Stadt Jemens, überproportional schnell, ja heftig gewachsen. 1963 zählte Sana‘a 60.000 Einwohner, 1972 80.000, 1993 wurde die Eine-Million-Marke erreicht – und heute sind es rund zwei Millionen Menschen, die hier leben.

Das ist nicht ganz ohne Gefahr für den Reiz der alten Stadt, die über Jahrhunderte Reisende entlang der Weihrauch-Straße betörte. Noch immer steht die Altstadt – einzigartiges Beispiel tradierter arabischer Baukunst – schmuck da mit ihren weiß verzierten braunen, oft bis zu fünf und mehr Stockwerken umfassenden Lehmbauten. Doch dieses pulsierende Herzstück wird eingekesselt von einer Vielzahl neuer Stadtviertel, die all den Zuwanderern ein Zuhause geben sollen. Und so prallen hier Weltbilder und Generationen, Geschichte und Gegenwart aufeinander – machen die Stadt zum illustren und facettenreichen Ausgangspunkt für eine Entdeckungsreise durch den Jemen.

Sana’a Altstadt ist umgeben von einer mächtigen, teilweise renovierten Stadtmauer, die dereinst von sieben Toren unterbrochen war. Im Inneren tausende von mehrstöckigen Turmhäusern, gebaut vor mehreren hundert Jahren aus Lehm – und noch immer „standhaft“. 1988 wurde sie zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt und in der Folge erfolgreich mit internationaler Hilfe restauriert, dass das Sanierungsprojekt 1993 bis 1995 bei den Aga Khan Awards for Architecture gelistet wurde. Einige Länder hatten dafür Hauspatenschaften übernommen. Deutschland, Norwegen und Italien etwa haben die Instandsetzung von diversen Häusern und Karawansereien schon abgeschlossen. Im Jahr 2004 dann war Sana‘a „Arabische Kulturhauptstadt“.

Von den eigentlichen Stadttoren erhalten geblieben ist nur noch das Bab al-Yaman, das den Südzugang der Altstadt bildete – und heute „der“ Ausgangspunkt für dortige Besuche ist. Dahinter betritt man eine eigene Welt, mit tausenden alter Gebäude und einem unzählige Straßen und Gassen umfassenden, lebendigen Suq. Dominierend erhebt sich darin die Große Moschee Jami al-Kabir mit ihren beiden Minaretten, während sich am östlichen Altstadtrand die mächtige Festung Qasr al-Silah mit ihren wuchtigen Mauern und Toranlagen erhebt – eine Besichtigung ist hier wie da aber nicht möglich. Was nicht schlimm ist in Anbetracht einer Fülle von Alternativen.

In Sana’a gab es beispielsweise 1974 noch 29 mehr oder weniger gut erhaltene Karawansereien, heute sind es zwar deutlich weniger. Aber mit deutscher Hilfe restauriert wurde jene namens Samsarat al-Mansuriya im Suq al-Malih im Zentrum des

Jemen Sanaa in

Schönes Sana’a. Foto: yementourism

Marktviertels. Dort findet sich auch die Samsarat Muhammad Bin Ahsan, die größte der Stadt. Errichtet Mitte des 17. Jahrhundert, diente sie einst als Bank der Suq-Händler. Auch mehrere Hammams befinden sich innerhalb der Altstadtmauern, Mitte des 20. Jahrhunderts waren es noch 17 dieser öffentliche Badehäuser. Mit einer deutschen Sauna oder einem türkischem Hammam haben sie jedoch wenig gemein.

Zudem lohnt immer der Blick nach oben – auf die Ausgestaltung der Häuser. Als Faustregel gilt: Je kleiner die Fenster, desto älter das Haus, denn Glas war in der Vergangenheit sehr teuer. Außerdem haben die unteren Stockwerke oft auch aus Verteidigungsgründen nur kleine, per Laden zu schließende Fenster. Ein weiteres Merkmal alter Häuser sind kreisrunde Oberlichter mit milchigen Alabasterscheiben. Typisch und weit verbreitet sind halbrunde Gipsstuck-Oberlichter mit eingelegtem farbigem Glas, so genannte Gamerija, die besonders bei Dunkelheit zur Geltung kommen. Auffallend auch die stockwerkweise die Häuser umgebenden, in der Regel weiß getünchten Stuck- und Ziegelsteinornamente, die Tiermotive und geometrische Muster, aber auch religiöse Sprüche darstellen. Gut zu wissen: die Stockwerkfolge gliedert sich von unten nach oben in Vieh- oder Abstell- sowie Lagerräume, Wirtschaftsgeschoss, Küche und Wohnzimmer. Im schönsten Raum – der Mafratsch – im obersten Geschoss empfängt der Hausherr seine Besucher. Übrigens: die ältesten bekannten Grundmauern eines Hauses in Sana’a datieren aus dem 11., die oberen beiden Stockwerke der meisten heute erhaltenen Gebäude aus dem 19. Jahrhundert.

Wer mehr über die Geschichte Sana’as und Jemens erfahren möchte, verlässt die Altstadt westwärts. Leider renoviert wird das ethnografische Museum Dar ash-Shukr, das zweisprachig Exponate zur Kultur der Beduinen erläutert, aber eben auch traditionelles Handwerk wie man es im Suq von Sana‘a vorfindet oder Wohnkultur aufgreift. Im dritten Stockwerk etwa hätte man sonst die Möglichkeit, einen der auch für Sana’as Altstadt typischen Holz-Erker (eine Mashrabiye), aus denen Frauen ungesehen das Geschehen auf der Straße beobachten können, zu bewundern. Und nicht zu vergessen das Nationalmuseum Dar as-Sa’ada („Haus des Glücks“) am zentralen Tachrier-Platz, das 2007 nach langer Renovierungszeit wiedereröffnet wurde. Letzeres kann täglich außer freitags besichtigt werden. Erwachsene zahlen 500 Rial, knapp zwei Euro, Eintritt.

Quelle: yementourism

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