Wenn es dunkel wird am Nil, versammelt sich die Gruppe um Herrn Anis auf dem Hausboot und lässt die Wasserpfeife kreisen. Vergeblichkeit und Unglück der Außenwelt verflüchtigen sich. Was Nobelpreisträger Nagib Machfus in seinem „Hausboot am Nil“ so unnachahmlich schildert, ist typisch für den Orient: In der arabischen Welt ist die Wasserpfeife oder ‚Shisha’ seit Jahrhunderten Inbegriff von Entspannung und gemütlicher Konversation.
Wasserpfeifen-Laden in Luxor. Foto: RIEGER Bertrand/hemis.fr
Diese Form des Rauchens stammt vermutlich aus Indien und hat in Ägypten bereits eine etwa 400 Jahre alte Tradition. Was über Jahrhunderte nur der Männerwelt vorbehalten war, gilt heute auch unter Frauen als schick: Viele Cafés in Kairo werden heute zunehmend auch von arabischen Frauen erobert. Auch für immer mehr Urlauber gehört der Genuss einer Shisha zu einem Ägypten-Aufenthalt dazu. Gleich, ob in einem Zelt am abendlichen Strand, auf gemütliche Kissen gebettet, in einer Hotelbar oder in einem Straßencafé in Kairo– bei einer Wasserpfeife können sich die Erlebnisse eines ereignisreichen Urlaubstages prima ’setzen’.
Auch in Deutschland ist die Shisha inzwischen ein schickes Lifestyle-Accessoire: Die 60 bis 90 Zentimeter hohen Wasserpfeifen können mittlerweile in vielen Cafés und Bars mit allerlei verschiedenen Tabaksorten bestellt werden.
Minze, Apfel oder Erdbeer: Der Geschmack macht’s
Sie blubbert leise vor sich hin, ist oft hübsch bemalt und riecht exotisch: Denn im Inneren der Shisha verglimmen auf heißer Kohle meist aromatisierte Tabaksorten mit Fruchtgeschmack. Zu den beliebtesten Geschmacksrichtungen gehörten Doppelapfel und Vanille, aber auch ’westliche’ Tabaksorten wie Cola und Cappuccino setzen sich mehr und mehr durch. Viele Araber halten es mit der Wasserpfeife jedoch sehr traditionell: Ihnen genügt einfacher, nicht aromatisierter Tabak. Zum Teil wird der Geschmack des Tabaks auch durch die einfache Zugabe von Honig verfeinert.
Erhitzt, gekühlt und inhaliert: Der Rauch macht viel durch
Die Wasserpfeifenkohle oder ’Fachma’ ist neben dem Tabak das wichtigste Utensil. Die Pfeife selbst – auch Huka genannt – besteht aus drei Teilen: einem hohlen Glasgefäß als Basis, manchmal auch aus Ton, Bronze oder Acryl. Auf das mit Wasser gefüllte Gefäß wird ein Rohr gesteckt, das oben einen Tonbehälter trägt. Der Tabak wird hineingegeben und mit einer perforierten Alufolie bedeckt; obendrauf kommt die Kohle. Seitlich am Rohr ist ein Schlauch angebracht. Beim Saugen am Schlauch entsteht dann ein Unterdruck im Glasgefäß. Durch die Kohle erhitzte Luft strömt am Tabak vorbei, die darin enthaltene Feuchtigkeit mit den Aromastoffen wird erhitzt und verdampft. Im Wassergefäß wird der Rauch gekühlt und wird den Schlauch eingesogen; für viele ist der kühle Rauch angenehmer als der wesentlich heißere ‚blaue Dunst’ einer Zigarette.
Zelebrieren, chillen und den Urlaub genießen: das Shisha-Feeling
Im Orient wird die Shisha nicht alleine geraucht, sondern als Ritual in geselliger Runde zelebriert – mit ägyptischem Tee und Süßigkeiten. Eine Sitzung dauert mindestens 30 Minuten, eher aber eine Stunde und länger. Auch in unseren Breiten ist die Shisha als Requisite zum ‚Chillen’ beliebt – besonders natürlich bei allen, für die schon in den Kaffeehäusern Kairos das Shisharauchen zum Inbegriff für Urlaub und Entspannung geworden ist.
Als Urlaubs-Souvenir stand die Wasserpfeife bei Ägypten-Fans schon immer hoch im Kurs.Man kann sie allerorts in kleinen Straßengeschäften und in den Souks kaufen. Sie sind zwischen einem halben und einem Meter lang, oft reisefertig in kleine Taschen verpackt und kosten zwischen 5 und 15 Euro. Es ist empfehlenswert, sich die Vorbereitung einer Shisha bereits beim Kauf erklären zu lassen und den Glaskörper nicht als Handgepäck zu transportieren. Der Schlauch sollte dicht sein und kein Rauch durch andere Stellen der Pfeife entweichen. Den aromatisierten Tabak kann man in fast allen Cafés und Supermärkten kaufen; es gibt ihn in kleinen Schachteln von 50 und 250 g oder in größeren Kartons (bitte Zollbestimmungen beachten).
Quelle: ETA
