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Archive for August, 2009

Der Strandfischer von Thy

Aug-11-2009 By admin

Krachend donnert die Nordseebrandung an den Strand von Nørre Vorupør. Im Schatten eines wettergegerbten Holzhäuschen steht Anders Jensen und überwacht die hydraulische Seilwinde, die langsam seinen hölzernen Kutter aus den Wellen den 100 Meter breiten Strand hinauf zieht: Der Fischerort auf der Halbinsel Thy an der Westküste Nordjütlands ist einer der wenigen Dörfer, in denen noch die traditionelle Strandfischerei betrieben wird.

Der 56-jährige, wortkarge Mann in Jeans, Strickpulli und Öljacke ist der letzte der einst 27 professionellen Küstenfischer des Ortes, die mit 18 Meter langen, hellblau gestrichenen Kuttern auf See vor allem Dorsch, Steinbutt, Scholle und Steinbeißer fingen. Doch mit dem Rückgang der Erträge durch die Überfischung der letzten Jahrzehnte haben viele seiner Kollege dem harten Leben auf See den Rücken gekehrt. Andere Berufsfischer wiederum haben ihre Boote ins nördliche Hanstholm verlegt, das erst 1967 seinen Hafen erhielt. Mit einer jährlichen Anlandung von 60.000 Tonnen Speisefisch ist Hanstholm heute der umschlagkräftigste Fischereihafen im Königreich. Sein Vorteil: Hier können die Trawler direkt an der insgesamt 4,5 Kilometer langen Kaimauer vertäut werden. Anders Jensen jedoch blieb.

In weißen Styroporkisten mit zerstoßenem Kühleis bringt er mit einer Karre seinen Fang vom Landungsplatz zum lang gestreckten Bau der Fiskercompaniet am Strandaufgang. Seit 1887 wird hier der Fang der örtlichen Fischer geputzt, auf Eis gelegt oder geräuchert und im angeschlossenen Laden gleich verkauft. „Heute ergänzen Importe aus Indonesien das Angebot“, sagt Inger Jensen, die mit ihrem Mann Per den Betrieb leitet. Dann greift sie in eines der drei Becken und holt einen 70 cm langen Hummer mit zugebundenen Scheren heraus und gibt ihn einem kleinen Mädchen. Mit ausgestrecktem Arm hält es das kalte, feuchte und gefährlich wirkende Tier vor sich, beäugt es neugierig und ängstlich zugleich. Die anderen Kunden lachen und widmen sich wieder der Auslage: Glattrochen und Knurrhahn, Rotaugen und Seeteufel, Schollen und Forellen liegen fangfrisch auf Eis, in Weidenkörben ruhen Miesmuscheln und Krabben, aufgespießt an Stahlstangen baumeln Aal und Lengfisch, noch warm vom Rauch.

Wie vielfältig das Leben in der Nordsee ist, zeigt von Ostern bis Oktober das nahe Nordsø Akvariet. 70 verschiedene Arten tummeln sich in den 16 Becken, schießen aus tiefgrünem Kelp hervor, vergraben sich im hellen Sand oder ziehen in silbrig glänzenden Schwärmen hinter den großen Scheiben vorbei. Auch 50 cm große Seesterne, Seehasen und Heringskönige fühlen sich im kühlen Nordseewasser wohl. Die dünnen, handlangen Schlangennadeln tarnen sich so geschickt, dass ihr Becken zunächst ganz leer wirkt – das Schauen wird zum Suchspiel. Zur Mutprobe für den Nachwuchs wird das Anfassbecken: Wer traut sich, einen kleinen Hai zu streicheln? Oder schafft es, mit der Hand Krabben zu fangen?

Vor der alten Bootswerft, in der noch bis vor wenigen Jahrzehnten Kutter für die Küstenfischerei gebaut wurde, restaurieren junge Männer einen 60 Jahre alten Kahn für das Vorupør-Museum, das heute hinter der weiß getünchten Fassade den harten Alltag vergangener Zeiten lebendig hält: Die alten Maschinen wurden restauriert, Räder drehen sich, ein Querbeil fährt ins Holz, laut quietscht die älteste Winde des Landungsplatzes.

Größter Konkurrent von Nørre Vorupør war Klitmøller, wo die Strandfischer ihre bis zu 20 Kutter teils mit Gangspill, teils mit Manneskraft auf den flachen Strand zogen. Heute gibt es am Landungsplatz Ørhage nur noch Sportfischer, die bei schönem Wetter hinausfahren, um Netze zu setzen oder Fische zu pilken. Der letzte Küstenfischer gab 2002 auf: Børge Thorup. Wie sein Vater, hat auch der 79-Jährige Zeit seines Lebens sein Geld mit der Fischerei verdient, 1964 mit drei Kollegen das zwölf Meter lange Küstenboot T 97 „Bellis“ bei Peter Mortensens Bootswerft in Klitmøller gekauft, und jeden Monat Tag um Tag 18 Stunden auf See verbracht. Am Monatsende verblieb ein Hungerlohn, von dem sämtliche Kosten zu tragen waren: 17.000 dänischen Kronen für jeden, knapp 2.300 Euro. Etwas ungläubig lesen Besucher diese Zahlen auf der Tafel, die vor dem Aufgang zur „Bellis“ steht – der Küstenkutter ist heute ein Museumsstück am Strand, ein Vehikel der Vergangenheit, das rund um die Uhr über und unter Deck entdeckt werden kann.

Fischer Anders Jensen aus Norre Vorupør bessert sich sein Einkommen mit Kutterfahrten zum Gelben Riff auf. „Det Gule Rev“, rund 40 Seemeilen oder zwei Fahrstunden vor Nørre Vorupør entfernt, gehört zu den besten Fischgründen Europas. Es besteht aus mehreren Steinriffen, die sich auf 150 Kilometer Länge und 10 bis 15 Kilometer Breite in 30 bis 120 Meter Tiefe erstrecken – und gespickt sind mit Wracks. „Hier leben Rekordfische – 30 Kilogramm schwere Lengfische, gewaltige Köhler, Seewölfe und anderthalb Meter lange Seelachse“, schwärmt Jensen. Je nach Saison ändert sich die Ausbeute: Von Januar bis März lässt Jensen seine Gäste auf Dorsch, Köhler und Pollack angeln, von April bis Juni werfen sie über den Wracks des Riffs ihre Rute nach Lengfisch, Seewolf und Seelachs aus. Im Juli und August lohnt sich nur noch das Makrelenangeln. Mitunter landet auch ein Heringshai im Netz, der jetzt die Rinne im Norden des Gelben Riffs entlang wandert. Im Herbst dominieren Seelachse – sie sind nun jedoch deutlich kleiner als im Hochsommer.

Am frühen Abend kehrt Jensen mit den Freizeitfischern zurück. Noch im Wasser befestigt er das Stahlseil der Seilwinde an seinem Schiff. Als sein Kutter unter lautem Knirschen auf den grobsandigen Strand fährt, versammeln sich einige Schaulustige auf der 350 Meter langen Mole von Nørre Vorupør, um das Anlanden und Heraufziehen zu beobachten. Jensen schiebt seine Mütze tiefer in die Stirn und stapft den Strand zur Seilwinde empor, fast ein wenig mürrisch, als störe ihn das Interesse, das er als letzter Küstenfischer des Ortes erweckt.

Am nur wenige Kilometer südlich gelegenen Stenbjerg Landingplads endete die Strandfischerei bereits 1972. Doch statt in Vergessenheit zu geraten, ist das urige Fischerviertel heute quicklebendig – dank der „Foreningen til Bevarelse af Stenbjerg Landingsplads“, den Feriengäste und Einheimische gemeinsame gründeten. Dieser „Verein zur Erhaltung des Landungsplatzes Stenbjerg“ pflegt nicht nur die alten, weiß gekalkten Häuser, in denen die Fischer ihre Ausrüstung aufbewahrten, sondern veranstaltet alljährlich am zweiten Sonntag im Juli seit 1973 den „Stenbjergdagen“ – ein großes Volksfest mit Musikern in den alten Häusern, einem riesigen Fischbüffet im extra dafür frei geräumten Lagerhaus und Vorführungen des Seenotrettungsdienstes. Im denkmalgeschützten Rettungshaus erzählt das Stenbjerg Redningsmuseet, wie im selbstlosen Einsatz Männer mit mehr Mut als Material von 1894 bis 1972 insgesamt 121 Menschen vor dem Ertrinken gerettet haben. Ausgestellt ist auch das erste Rettungsboot der Station: ein Ruderboot mit Besegelung, 1892 auf der Orlogsværftet in Kopenhagen erbaut. Erst 1965 erhielt die Rettungswacht ihr erstes und einziges Motorboot.

Ein Erlebnis für alle Sinne sind die Strandwanderungen, die in den Herbstferien entlang des alten Rettungsweges angeboten werden. Im Schein der flackernden Fackeln verwischen die Grenzen von Düne und Strand, Land und Meer. Ungleich lauter als am Tage donnert die Brandung. Möwen stürzen sich auf angespülte Strandkrabben, hacken den Panzer auf und reißen gierig das Fleisch heraus. Am Horizont tanzen Lichtpunkte auf den Wellen: Fischerboote mit Positionsleuchten. Auch Anders Jensen ist jetzt dort draußen. (visitdenmark)

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„Liebe geht durch den Magen“ – wenn diese Redewendung wahr ist, muss Ligurien das Land für Verliebte sein! Die Region ist nicht nur mit Bergen, Meer und Sonne gesegnet, sondern auch mit einer Küche, die zu den köstlichsten, vielfältigsten und gesündesten in ganz Europa zählt. Und wer legt keinen Wert darauf, im Urlaub gut zu essen?

Sowohl Ligurer als auch Besucher schätzen die unübertroffenen Olivenöle der Region, die frischgebackene Focaccia, das Kabeljaugericht „Stoccafisso“ oder die gefüllten Nudeltaschen in Walnusssoße „Pansoti alla salsa di noci“. Eine weitere Spezialität ist „La Farinata“ – Genuas Alternative zur Pizza. Dieser Pfannkuchen besteht aus den Grundzutaten Kichererbsenmehl, Wasser und Öl; manchmal wird er mit Zwiebeln, Wurst, Artischocken belegt und knusprig gebacken. Hier können Sie sehen, wie die Farinata hergestellt wird:

Die mit Abstand bekannteste ligurische Spezialität ist jedoch das köstlich duftende „Pesto Genovese“, das vor Jahrhunderten in Genua kreiert wurde und seitdem einen Siegeszug um die ganze Welt angetreten hat. Als Kombination aus Basilikum, Knoblauch, Meersalz, geriebenem Hartkäse, Pinienkernen und etwas Olivenöl ist die Soße an sich sehr simpel – doch das Geheimnis liegt im Detail: Zermahlen oder verrühren? Parmesankäse oder Pecorino sardo? Wovon wie viel und in welcher Reihenfolge?

Jeder ligurische Haushalt hat sein eigenes Geheimrezept für das ultimative Pesto, aber in einem sind sich alle einig: Basilikum und Olivenöl müssen aus Ligurien stammen, und das beste ligurische Basilikum kommt aus dem Hauptanbaugebiet Pra (http://sito.parco-basilico.it/) westlich von Genua.

Das Gewächs gilt als derartiger kultureller Schatz, dass es mittlerweile sogar Herkunftsschutz nach IGP (Indication Géographique de Provenance) genießt: Nur Basilikum, das wirklich aus Genua stammt, darf den Namen „Basilico Genovese“ tragen.

Wie ernst es die Ligurer (und andere Feinschmecker) mit ihrem Pesto meinen, lässt sich alle zwei Jahre bei der Pesto-Weltmeisterschaft im Palazzo Ducale in Genua erleben (http://www.pestochampionship.it). Der amtierende Weltmeister aus dem Jahr 2008 ist James Bowien, ein Koch aus San Francisco, der bei Chefköchen aus Genua gelernt hat. Der nächste Wettbewerb soll im April 2010 stattfinden, wobei die Qualifikationsrunden in den Monaten davor in verschiedenen ligurischen Städten abgehalten werden. Die Spielregeln sind streng: Das Pesto darf nur auf traditionelle Weise in einem Mörser hergestellt werden (wobei die Schale aus Marmor und der Stößel aus Holz bestehen müssen), und das Basilikum muss Basilico Genovese sein.

Und wie schmeckt nun weltmeisterliches Pesto? Luciana Parodi, eine frühere Gewinnerin, hat ein Geschäft in Genua eröffnet, in dem sie ihre preisgekrönte Kreation und andere ligurische Spezialitäten anbietet. Wer nicht bis nach Genua reisen kann, um ein Glas ihrer exquisiten Mischung zu ergattern, der kann auch online auf Gourmet-Einkauf gehen: www.pestoparodi.com

Wer noch mehr herausfinden will, sollte einen Abstecher zum „Pesto e Dintorni“ („Pesto und seine Umgebung“) in Erwägung ziehen: www.pestoedintorni.org (nur auf Italienisch). Dieses Fest ist dem Pesto und Liguriens außergewöhnlichem kulinarischen Erbe gewidmet und findet vom 9. bis zum 11. Oktober in Lavagna in der Provinz Genua statt. (FVA Ligurien)

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