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Archive for August, 2009

Sie ist ein Kleinod zwischen Arabien und Afrika. Liegt wie eine Perle der Artenvielfalt im Indischen Ozean. Und: Von ihr haben die meisten Menschen noch nie gehört. Ein echter Geheimtipp also. Gemeint ist Sokotra. Ein Archipel, bestehend aus einer großen und drei kleineren Inseln. Gelegen rund 230 Kilometer östlich von Somalia und 380 Kilometer südlich des Jemen, zu dessen Staatsgebiet sie gehören. Bis vor 20 Jahren primär nur per Schiff erreichbar, kamen Besucher vom Festland nur sporadisch. So blieben dort die Natur und auch die Kultur der Inselbewohner, der Sokotris, über Jahrhunderte nahezu ungestört, ja unbeeinflusst. Da wundert es nicht, dass die UNESCO dieses „zweite Galapagos“ 2008 zum Weltnaturerbe erklärte – und die jemenitischen Länderwerber hier bei allem Eifer doch auf Nachhaltigkeit und Grünen Tourismus setzen wollen.

Im nordwestlichen Indischen Ozean an der Einfahrt zum Golf von Aden gelegen, ist Sokotra etwa vier mal so groß wie Rügen. Die gut 130 Kilometer lange Insel ist dabei eine Schatzkammer der Evolution: Durch ihre Abgeschiedenheit – vor rund 30 Millionen Jahren trennte sich der Sokotra-Archipel von der Arabischen Halbinsel – entwickelten sich auf der Insel isoliert Pflanzen und Tiere weiter, die an keinem anderen Ort der Welt zu Hause sind. 30 Prozent der Pflanzen, 75 Prozent der Reptilien und 80 Prozent der Insekten sind denn auch einzigartig auf Sokotra. Und längst sind noch nicht alle Arten erforscht.

Auch die mittlerweile über 60.000 Inselbewohner, die Sokotri, hatten bis Ende der 1990er Jahre keine regelmäßige Verbindung zur Außenwelt. Sie entwickelten und bewahrten ihre eigene Sprache und Kultur. Seit nunmehr zehn Jahren landet – wenn es die Wetterbedingungen zulassen (kritisch sind die starken Winde von Juli bis September) – täglich ein Flugzeug in Hadibu, dem Inselhauptort, wo 1999 der zivile Flugbetrieb auf dem einstigen Militärflughafen mit seiner immerhin 3.000 Meter langen Landebahn entstand. Auch der Seehafen ist der wichtigste der Insel. An Bord der Flugzeuge sind neben Gemüse und Obst, das auf Sokotra kaum wächst, seit einiger Zeit auch immer öfter Touristen. Knapp 4.000 kamen im Gesamtjahr 2008, darunter 510 deutsche Reisende. Um den Vergleich mit dem nur knapp ein Viertel so großen Rügen noch einmal zu bemühen: Dort sind es zur besten Reisezeit rund 3.000 an einem Tag.

Doch die Insel am Horn von Afrika bietet weit mehr als ungewohnte Einsamkeit und Ruhe: Wer sich nicht für eines der einfachen kleinen Hotels in Hadibu, an der Nordküste der Insel zu Füßen des Berges Dschabal al-Dschahir liegend, entscheidet, wird quasi eins mit der Natur. Und kann in palmenbestandenen Wadis mit natürlichen Pools, zwischen berghohen Sanddünen und scheinbar märchenhaften Wäldern aus zart rosa blühenden Wüstenrosen entschleunigen. Und zum Naturkundler werden.

Man muss dabei kein Ornithologe sein, um sich für hiesige endemische Vögel zu begeistern wie den Sokotra-Star mit seinen schwarz-roten Flügeln, den Sokotra-Sonnenvogel mit seinem gebogenen Schnabel oder den ebenfalls nach der Insel benannten Bussard. Die Schmutzgeier gibt es zwar auch in anderen Gegenden der Region, dafür sind sie angeblich die treuesten Begleiter der Touristen: In diskretem Abstand warten sie, ob beim Picknick nicht auch für sie etwas abfällt.

Wahrzeichen Sokotras – und gern bemühtes Fotoobjekt – sind die Drachenblutbäume mit ihrer pilzartigen Krone aus stacheligen Blättern, die einst wegen ihres blutroten Harzes bei Malern und Heilern begehrt waren. Vergleichbares wächst erst wieder auf den Kanaren. Der Saft dieses einzigartigen Sokotra-Weihrauchbaumes ist bis heute begehrt. Es gibt noch andere Pflanzen-Exoten. Ihre sternförmigen roten Blüten sind zwar hübsch anzusehen, aber alles andere als „dufte“. Die Rede ist von der nur hier zu findenden Sukkulente Caralluma socotrana, so ihr botanischer Name. Sie lockt nämlich Fliegen mit einer Art Aasgeruch an.

So viel einzigartige Flora und Fauna hat Konsequenzen: Jemens Präsident Ali Abdullah Salih hat schon im Jahr 2000 seine Unterschrift unter ein Dekret gesetzt, das fast drei Viertel der Insel zum Naturschutzgebiet erklärte. Und bereits seit 1996 arbeiten Experten des UN-Entwicklungsprogramms UNDP auf Sokotra, seit 2002 gezielt an einem Ökotourismus-Programm, das Traditionen, Naturschutz und Fremdenverkehr in Einklang bringen soll. Es geht um das Bewahren dieses Kleinods unter Einbeziehung der Inselbewohner in das wachsende internationale Interesse an ihrer Heimat. So wurden denn aus Fischern und Kleinbauern Führer und Fahrer – und die sorgen dafür, dass die Touristen nur dort ihre Zelte aufschlagen, wo sie damit keinen Schaden anrichten. Und bessern ganz nebenbei ihre Verdienstmöglichkeiten auf.

Im Sommer ist es für die Sokotris allerdings immer wieder ein bisschen wie früher. Bevor die Flugzeuge kamen. Dann kommen keine Europäer, die durch die Berge wandern und Drachenblutbäume fotografieren. Die Stürme, die zwischen Mai und September über den Archipel fegen, sind schlichtweg zu heiß für den europäischen Urlauber, und sei er noch so abgehärtet. Eine Zwangspause, in der sich die Insel und ihre Bewohner vom noch immer etwas ungewohnten Geschäft mit dem Tourismus jedes Jahr wieder erholen können. Und so erkundet man Sokotra denn eben am besten zwischen November und März.

Hätten Sie gewusst? Sokotra war schon den Ägyptern und Griechen bekannt. Und der Apostel Thomas soll hier Schiffbruch erlitten und eine christliche Gemeinde gegründet haben. Ein Bischof von Sokotra leitete um 900 die (erfolglose) Missionierung des Jemen. Als der berühmte Entdeckungsreisende Marco Polo dann Ende des 13. Jahrhunderts auf Sokotra anlandete, waren sogar noch Kirchen aus dem 10. Jahrhundert vorhanden. 1507 errichteten Portugiesen einen Stützpunkt im Nordosten der Insel (die Ruinen des Forts sind noch vorhanden), von 1876 bis 1967 stand Sokotra (zusammen mit Südjemen) unter britischer Verwaltung.

Der Ökotourismusverband auf Sokotra organisiert individuelle Touren mit ausgebildeten einheimischen Führern über die Insel – Informationen zu den Projekten und Plänen unter www.socotraisland.org. Die Insel ist bei einigen deutschen Veranstaltern im Rahmen von 15-tägigen Arrangements für den kommenden Winter 2009/2010 im Programm, so etwa beim Münchner Veranstalter Hauser exkursionen (www.hauser-exkursionen.de) oder Oase Reisen (www.oasereisen.de) aus Heidelberg. (jemen)

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Flach, geteert und gut beschildert sind die Fahrradrouten auf Dänemarks zwei südlichsten Inseln – Lolland und Falster. Und das Beste: Der nächste Badestrand ist nie weit. Die Menschen auf Møn erzählen schmunzelnd, man brauche nur auf eine Bierkiste zu steigen, um Lolland zu überblicken. Und auch Falster bietet kaum Steigungen. Das macht die beiden ostdänischen Inseln zu idealen Zielen für einen Fahrradurlaub.

Entsprechend vielfältig – und hervorragend ausgeschildert – ist das abwechslungsreiche Routennetz. Auf Küstenwegen und ruhigen Landstraßen führt es zu lebendigen Handelsstädten und malerischen Fischerorten, zu Kleininsel-Fähren nach Fejø, Femø, Askø oder Enehøje, zu verschwiegenen Badeseen oder langen Traumstränden wie den von Marielyst.

Auf Alleen und Waldwegen werden stattliche Herrensitze erreicht, die von weitläufigen Ländereien umgeben sind. Seit Jahrhunderten sind diese Gutshäuser Zentren der Kultur und der Kunst, Schriftsteller wie Andersen ließen sich hier zu ihren Märchen inspirieren, berühmte Musiker konzertieren bis heute auf Gut Fuglsang, und auf Pederstrup zeigt die Gemäldesammlung des Reventlow Museet zeitgenössische dänische Kunst.

Richtig exotisch wird es bei einer Fahrt durch den Safaripark Knuthenborg, für lustvollen Angstkitzel sorgt der Krokodillepark in Eskilstrup. Das Mittelalter wird in Sundby lebendig, im Stubbekøbing Motorrad- und Radiomuseum sowie im Treckermuseum von Eskilstrup macht man gern eine Pause. Und schmerzen die Muskeln, machen die Wellnesscenter der Schwimmbäder und Hotels wieder fit für die nächste Etappe.

Vorbildliche Radrouten
Einzige Länderübergreifende unter den mehr als 60 markierten Radrouten auf Lolland und Falster ist der internationale Radfernwanderweg Berlin-Kopenhagen (www.bike-berlin-copenhagen.com). Er verbindet auf einer Länge von 630 Kilometer die beiden Hauptstädte und durchquert Falster auf einer Länge von 70 Kilometer von Gedser nach Stubbekøbing. 127 Kilometer misst das Teilstück des 800 Kilometer langen Ostseeradweges (www.bikeandsea-denmark.com) von Südostjütland nach Seeland, der bei Tårs die Insel Lolland erreicht und sich bei Stubbekøbing auf Falster verabschiedet.

Landesweit einheitlich markiert mit weißem Fahrrad auf blauem Grund und weißer Nummer auf rotem Rechteck, überzieht seit 1993 das vorbildlich angelegte Netz von zehn nationalen Radrouten (Nationale cykelruter) das Königreich. Auf Lolland-Falster verlaufen die Nationalrouten 7 (Storstrømsbroen – Rødbyhavn), 8 (Kragenæs – Maribo – Storstrømsbroen) und 9 (Nykøbing/Falster – Gedser). Daneben gibt es noch eine Vielzahl regionaler Routen (Amtscykelrute), bei denen die weiße Routennummer auf blauem Grund zu lesen ist, sowie eine Vielzahl lokaler Routen (Lokale cykelruter).

Zu dieser schier in einem Urlaub nicht zu bewältigende Vielfalt an Touren und Fahrten, die sich untereinander häufig auch noch kombinieren lassen, haben sich mittlerweile noch zwei Rundrouten gesellt, die inzwischen zu den beliebtesten Strecken der beiden Inseln gehören.

Die Sundroute (www.sundruten.dk) lädt zu einer 100 Kilometer langen, aussichtsreichen Tour rund um Guldborgsund von Gedser über Nykøbing/Falster nach Guldborg, und von Guldborg über Nykøbing/Falster nach Nysted.

Wer mit Kindern unterwegs ist, kann die Strecke halbieren – und nur den nördlichen Teil der Sundrute abstrampeln. Start ist dann am Jachthafen von Nykøbing/Falster. Direkt am Sund entlang geht es vorbei an Kirschbäumen, Wäldern, kleine Dörfern, Feldern in vielen Farben und den Gütern Ny Kristinenberg, Pandebjerg und Vennerslund nach Guldborg, wo es über die Brücke hinüber nach Lolland geht. Nach einer Eis- und Badepause geht es zum Vogelschutzgebiet bei Majbølle, durch den Wald Hamborgskoven zum Mittelalterzentrum und über eine Brücke wieder zurück nach Nykøbing Falster.

Gut für ein verlängertes Wochenende eignet sich die Strecke „Falster rundt“ (www.falster-rundt.dk). Die 128 Kilometer lange Tour rund um die Küste von Falster startet in Gedser, Dänemarks südlichster Stadt, durchquert die Hasselø Plantage am Guldborgsund, erreicht die Inselhauptstadt Nykøbing und folgt dann weiter dem Sund, bis die Hügel von Nordfalster für Schweiß auf der Stirn sorgen.

Vorbei an Nørre Alslev mit Schwimmbad und Europas größter Krokodilfarm geht es weiter nach Stubbekøbing, wo im Sommer eine Minifähre nach Bogø ablegt. Auf der Fahrt gen Süden säumen große Buchenwälder die Ostseeküste, in denen Gräber aus der Bronzezeit und der Herrenhof Corselitze mit seinem Schlosspark versteckt sind. Nach einem Badestopp an den Traumstränden von Marielyst wird wieder Gedser erreicht – mit vielen unwiederbringlichen Eindrücken im Gepäck.

Weitere Information über die ostdänischen Inseln: www.visitlolland-falster.com. Bei VisitDenmark, Dänemarks offizieller Tourismuszentrale, sind regionale Informationsbroschüren, ein Fahrradführer und Straßenkarten erhältlich: VisitDenmark, Postfach 70 17 40, D-22017 Hamburg, Tel. 018 05 / 32 64 63 (14 Ct./Min. Festnetz). (visit denmark)

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